Wer sich bewirbt, sieht sich das Unternehmen vorher genau an. Wie genau, hat der Recruiting-Softwareanbieter softgarden 2024 in einer Studie zur Glaubwürdigkeit im Recruiting untersucht. Befragt wurden 4.312 Menschen, die sich gerade bewarben.
Die Studie in Zahlen
- 86 % prüfen einen Arbeitgeber, bevor sie sich bewerben.
- 65 % nutzen dafür die Karriereseite.
- 20 % halten Karriereseiten für voll glaubwürdig.
- 52 % sortieren einen Arbeitgeber aus, wenn seine Selbstdarstellung unglaubwürdig wirkt.
Quelle: softgarden, Studie zur Glaubwürdigkeit im Recruiting, 2024
Auf der Karriereseite finden sie Stellenanzeigen, die sich oft ähneln: flache Hierarchien, ein motiviertes Team, Obstkorb. Die Bilder unterscheiden sich. Was sehen Bewerber:innen darin, und welchen Schluss ziehen sie daraus?
Bewerber:innen schauen zuerst auf Menschen, dann auf Text
Gesichter nehmen wir schneller wahr als jeden Satz. Die Psychologen Janine Willis und Alexander Todorov haben 2006 an der Princeton University gezeigt: Nach einer Zehntelsekunde steht das Urteil, ob ein Gesicht sympathisch, kompetent oder vertrauenswürdig wirkt. Mehr Zeit macht dieses Urteil sicherer, ändert es aber kaum.
Auf einer Karriereseite heißt das: Das Team auf den Fotos hat einen Eindruck hinterlassen, bevor die erste Zeile Text gelesen ist.
Dazu kommt ein gesundes Misstrauen gegenüber Worten. Nur jede fünfte befragte Person aus der softgarden-Studie hält Karriereseiten für voll glaubwürdig. Einen Absatz über Teamgeist kann jede Agentur formulieren. Die Gesichter echter Kolleg:innen lassen sich nicht formulieren. Deshalb lesen Bewerber:innen sie als Beleg.
Was eine Teamseite ohne Gesichter verrät
Manche Karriereseiten zeigen Menschen, die dort nie gearbeitet haben: das lachende Stockfoto-Team am Besprechungstisch. Andere zeigen graue Silhouetten als Platzhalter oder Namen ohne Bild.
Für Bewerber:innen bleibt dann eine Frage offen: Wer arbeitet hier eigentlich? Diese Lücke füllen sie selbst, und selten zu Ihren Gunsten. Ist die Fluktuation hoch? Will sich niemand zeigen? Hat sich keiner darum gekümmert?
Laut softgarden-Studie ist für gut die Hälfte der Befragten eine unglaubwürdige Selbstdarstellung auf der Karriereseite oder in der Stellenanzeige ein K.-o.-Kriterium. Ein Stockfoto ist kein Betrug. Wer es erkennt, fragt sich trotzdem, was sonst noch geschönt ist.
Wenn jedes Portrait anders aussieht
Die Teamseite ist gefüllt, aber jedes Bild stammt aus einer anderen Zeit. Das Handyfoto vom Betriebsausflug hängt neben einem Studioportrait von 2019, daneben ein Bewerbungsfoto vor blauem Hintergrund. Das Licht wechselt, der Ausschnitt auch.
Jedes Bild für sich ist vielleicht in Ordnung. Zusammen erzählen sie etwas anderes: Um den Gesamteindruck kümmert sich hier niemand. Bewerber:innen übertragen das schnell auf das Unternehmen. Wer bei den eigenen Bildern keinen roten Faden hat, hat ihn womöglich auch bei der Einarbeitung nicht.
Unfair? Möglich. So funktioniert der erste Eindruck trotzdem.
Wie ein Bildbestand mit der Zeit auseinanderläuft, habe ich im Artikel Wenn die Bilder nicht mehr passen ausführlicher beschrieben.
Was gute Mitarbeiterportraits über die Arbeitskultur zeigen
Gute Mitarbeiterportraits beantworten Fragen, die in keiner Stellenanzeige stehen. Wie gehen die Leute hier miteinander um? Wie förmlich ist es? Würde ich mich zwischen diesen Menschen wohlfühlen?
Die Antworten stecken in Details:
- Haltung und Blick: Ein offener Blick in die Kamera wirkt zugänglich. Verschränkte Arme und ein angestrengtes Lächeln wirken nach Pflichttermin.
- Kleidung: Anzug oder Pullover verrät viel über den Alltag. Auf dem Foto sollte die Kleidung zu dem passen, was neue Kolleg:innen am ersten Tag erleben. Wie das im Team zusammenpasst, zeigen die Outfit-Tipps für Teamfotos.
- Umgebung: Ein ruhiger Hintergrund lenkt den Blick auf die Person. Eine Aufnahme in den eigenen Räumen zeigt nebenbei, wo gearbeitet wird.
„Einheitlich“ meint dabei den Rahmen, nicht die Menschen. Licht, Ausschnitt und Hintergrund sind abgestimmt, damit die Teamseite ruhig wirkt. Innerhalb dieses Rahmens darf jede Person so aussehen, wie sie ist. Die Entwicklerin im Hoodie steht neben dem Vertriebsleiter im Sakko, und beide passen auf dieselbe Seite.



Portraits reichen nicht: Einblicke in den Arbeitsalltag
Portraits zeigen, wer im Unternehmen arbeitet. Wie dort gearbeitet wird, zeigen sie nicht. In einer früheren softgarden-Umfrage (2020, 1.624 Bewerbende) suchten 46 Prozent auf Karriereseiten gezielt nach realistischen Einblicken ins Unternehmen.
Für Employer Branding, also Ihren Auftritt als Arbeitgeber, braucht es deshalb eine zweite Bildebene aus der Unternehmensfotografie: Kolleg:innen in einer Besprechung, die Werkstatt, das Labor, der Empfang, an dem Kundschaft ankommt. Diese Bilder müssen nicht glänzen. Neue Mitarbeitende sollten die Situationen an ihrem ersten Tag wiedererkennen.
Ein Imagefilm ersetzt das nicht. In der softgarden-Studie von 2024 hielten 51 Prozent der Befragten Imagefilme für nicht oder eher nicht glaubwürdig. Ruhige Fotos aus dem echten Alltag haben es da leichter.



Damit die Karriereseite aktuell bleibt, wenn das Team wächst
Eine Teamseite beginnt mit der ersten Neueinstellung zu altern. Kommt die neue Kollegin mit einem Handyfoto dazu, ist der einheitliche Eindruck nach wenigen Monaten wieder weg.
Planen Sie das deshalb von Anfang an mit. Halten Sie Licht, Hintergrund und Ausschnitt fest, damit neue Portraits im gleichen Look entstehen. Sammeln Sie Neuzugänge und fotografieren Sie sie in festen Abständen, etwa zweimal im Jahr. Das ist ein kurzer Termin, für den niemand den halben Tag blockieren muss. Wie viel Zeit Sie für Ihr Team einplanen sollten, rechnet der Teamfoto-Planer für Sie durch.
Und wer das Unternehmen verlässt, verschwindet zeitnah von der Seite. Bewerber:innen merken es, wenn die Ansprechpartnerin von der Teamseite beim Vorstellungsgespräch längst nicht mehr dabei ist.
Fazit
Bewerber:innen bilden sich ein Urteil über Ihr Unternehmen, bevor sie die erste Zeile ihrer Bewerbung schreiben. Die Bilder auf Ihrer Karriereseite sind ein Teil dieses Urteils. Sie ersetzen kein gutes Arbeitsumfeld.
Aber sie machen sichtbar, was schon da ist.
Wenn Sie Ihre Karriereseite mit Mitarbeiterportraits aus einem Guss aufstellen wollen, sprechen wir gern in einem kurzen Erstgespräch darüber. Wie so ein Shooting im Studio in Berlin-Kreuzberg oder bei Ihnen vor Ort abläuft, lesen Sie auf der Seite Mitarbeiterportraits.
Quellen
- softgarden: Studie zur Glaubwürdigkeit im Recruiting, Befragung von 4.312 Bewerbenden, 2024 (Pressemitteilung)
- softgarden und personalmarketing2null: Karriereseiten-Umfrage, 1.624 Bewerbende, Dezember 2019 bis Januar 2020 (Beitrag)
- Willis, J. & Todorov, A. (2006): First Impressions. Making Up Your Mind After a 100-Ms Exposure to a Face. Psychological Science 17 (7), S. 592–598 (Abstract)